10 Jahre „Junger Initiativkreis Ruhr“

Juni 7, 2026 | Wirtschaft

Bernd Tönjes & Dr. Thomas A. Lange, ehemalige Moderatoren des Initiativkreises Ruhr

Wir haben etwas zu feiern: Der Junge IR wird 10 Jahre alt. 2016 gründeten der damalige Moderator Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung, und Co-Moderator Dr. Thomas A. Lange, Vorstandsvorsitzender der NATIONAL-BANK AG, das Nachwuchsnetzwerk. Anlässlich dieses Jubiläums haben wir das ehemalige Moderatorenduo zum Interview getroffen.

Herr Tönjes, Herr Lange, Sie hatten 2016 die Idee zum „Jungen Initiativkreis Ruhr. Wie sind Sie darauf gekommen? 

Tönjes: Die Idee ist aus einer einfachen Beobachtung entstanden: Wir haben im Initiativkreis viele sehr erfahrene Persönlichkeiten – aber die Perspektive der nächsten Führungsgeneration fehlte uns seinerzeit noch. Mir war es wichtig, eine Plattform zu schaffen, in der sich angehende und junge Führungskräfte untereinander vernetzen und eigene Ideen für die Zukunft des Ruhrgebiets entwickeln können.  

Lange: Bernd und ich waren als Moderatoren und sind in unserer Verantwortung für die RAG Stiftung bzw. die NATIONAL-BANK – ebenso wie die anderen Persönlichen Mitglieder des IR – davon getragen, das Ruhrgebiet enkelfähig und nachhaltig zu gestalten. Insofern verstand es sich von selbst, die Generation „von morgen“ einzubinden und in die Verantwortung für den Erfolg dieses Prozesses einzubeziehen.  

Mit welcher Intention ist der Junge Initiativkreis damals gestartet? 

Tönjes: Mit der Intention, ein funktionierendes Netzwerk von jungen Impulsgebern aufzubauen und ihnen Verantwortung zu übertragen. Wir wollten junge Menschen unter 40 Jahren zusammenbringen, die in ihren Unternehmen bereits gestalten, und ihnen die Möglichkeit geben, über Unternehmensgrenzen hinweg gemeinsam an Themen für die Region zu arbeiten. Der Junge IR sollte bewusst kein Debattierclub sein, sondern ein Netzwerk mit Umsetzungsanspruch. 

Mittlerweile besteht der Junge IR seit 10 Jahren und hat kürzlich das 40. Mitglied begrüßen dürfen – jedes zweite Mitgliedsunternehmen hat also eine Führungskraft unter 40 Jahren in den JIR entsendet. Ist das als Erfolg zu werten? 

Tönjes: Absolut. Es zeigt, dass die Idee angenommen wurde und der Junge IR im Kern des Netzwerks angekommen ist. Entscheidend ist nicht allein die Zahl, sondern die Haltung dahinter: Wenn Unternehmen bewusst junge Führungskräfte in das Netzwerk entsenden, ist das ein klares Zeichen dafür, dass Zukunftsgestaltung im Ruhrgebiet generationenübergreifend gedacht wird. Genau das war von Anfang an unser Ziel. 

Lange: Maßgebend ist die Qualität, nicht die Quantität. Letzteres ist lediglich ein Indiz. Aber sie überzeugt. 

Was sollten die Mitglieder des Jungen IR für ihren weiteren Lebens- und Arbeitsweg – der im Idealfall im Ruhrgebiet liegt – mitnehmen? 

Tönjes: Ich würde mir wünschen, dass sie vor allem drei Dinge mitnehmen: Erstens ein starkes Netzwerk, auf das sie langfristig zurückgreifen können. Zweitens den Mut und die Lust darauf, Verantwortung für die Region zu übernehmen – auch über den eigenen Unternehmenskontext hinaus. Und drittens die Überzeugung, dass das Ruhrgebiet enorme Chancen bietet – und damit verbunden den Anspruch, diese auch umzusetzen.  

Lange: Disziplin und Fleiß – gepaart mit einer Haltung, die durch Verantwortungsbewusstsein sowie Verantwortungswillen geprägt ist. Dabei fällt mir mit Blick auf Alfred Herrhausen, einen der Gründer des Initiativkreises Ruhr, eine kleine Geschichte ein, die er bei vielfältigen Gelegenheiten erzählte. So habe ihm sein Vater sinngemäß gesagt: „Alfred, wenn Du jeden Tag eine Stunde länger arbeitest als die anderen, wird aus Dir etwas werden.“ Ich denke, das ist unverändert eine gute Empfehlung. 

Am 17. September 2026 findet die Jubiläumsfeier statt, bei der Sie, Herr Tönjes, eine Laudatio halten werden. Ohne jetzt zu viel vorwegzunehmen: Was möchten Sie den heutigen Mitgliedern des Jungen IR mit auf den Weg geben? 

Tönjes: Ich möchte ihnen vor allem Mut machen, ihre Rolle anzunehmen. Gerade in Zeiten des Wandels braucht es Menschen, die nicht abwarten, sondern vorangehen.  

Herr Dr. Lange, was wünschen Sie dem Jungen Initiativkreis Ruhr? 

Lange: Auch wenn ich bei der Jubiläumsfeier leider nicht persönlich dabei sein kann: Resilienz gegenüber der zeitgeistigen Beliebigkeit, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein für Veränderungen und dabei suaviter in modo, fortiter in re. 

Wenn Sie beide einen Wunsch äußern dürften: Was kann der Junge IR für das Ruhrgebiet leisten? Oder anders gefragt: Welchen Zukunftsthemen sollte sich der Junge IR besonders widmen? 

Tönjes: Der Junge IR muss am Puls der Zeit wirken – insbesondere bei den großen Transformationsthemen: Dekarbonisierung der Industrie, Fachkräftesicherung, Digitalisierung und neue Formen von Zusammenarbeit. Aber auch bei der Frage, wie wir das Ruhrgebiet als attraktiven Lebens- und Arbeitsort positionieren. Der Initiativkreis hat immer gezeigt, dass Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft entscheidend ist. Wenn der Junge IR diese Haltung weiterträgt und in konkrete Projekte umsetzt, kann er ein echter Motor für die nächste Entwicklungsphase des Ruhrgebiets sein. 

Lange: Mit Ratschlägen möchte ich mich bewusst zurückhalten. Dies umso mehr, als ich dem Jungen IR gegenüber, bildlich gesprochen, an der Seitenlinie des Spielfeldes stehe. Insofern möchte ich mich durch die Frage nicht zu potenziellen Zukunftsthemen des IR äußern. Ich denke, dass profunde Analysen, ausgewogene und auf Vollständigkeit bedachte Diskussionen und die gelebte Verantwortung für ein zukunftsfähiges und -williges Ruhrgebiet die richtigen Antworten nach sich ziehen werden.  

Die ehemaligen IR-Moderatoren Bernd Tönjes und Dr. Thomas A. Lange mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft a.D. beim Ruhrdinner 2016. Dort wurde auch die Gründung des Jungen Initiativkreises Ruhr bekanntgegeben.