“Ethik und Rendite gehen zusammen”

Dr. Peter Güllmann (Sprecher des Vorstands, Bank im Bistum Essen)

Dr. Peter Güllmann ist Vorstandssprecher der Bank im Bistum in Essen und Gastgeber unserer Frühjahrs-Vollversammlung, die unter dem Motto “Resilienz und Sicherheit” Themen behandelt, die noch vor wenigen Jahren weit entfernt schienen. IR-Moderator Guido Kerkhoff hat ihn vorab zum Gespräch über die neue geopolitische Realität, Resilienz im Bankensektor und die hauseigene FAIR BANKING STIFTUNG getroffen 

Herr Güllmann, schön, dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen. Was bedeutet denn Resilienz für eine kirchliche Bank – und welchen Unterschied macht eine wertebasierte Ausrichtung in Zeiten von Unsicherheiten?

Das ist für uns eine grundsätzliche Thematik, weil wir als Kirchenbank oder zumindest als sozial-ökologische Bank bisher immer die These vertreten haben, dass wir keine Rüstung finanzieren. Rüstung ist Teufelszeug. Diese Position mussten wir grundlegend überdenken. Ob man es mag oder nicht: Ohne Rüstung werden wir unsere Freiheit, unsere Demokratie nicht verteidigen können. Und das setzt auch eine Neubestimmung und Neupositionierung einer sozial-ökologischen Bank auf einem christlichen Wertefundament voraus. Deswegen sagen wir heute: Rüstung ist notwendig, aber nicht nachhaltig, weil nachhaltig sind Rüstungsgegenstände nun wirklich nicht. Das ist mal das eine. Das andere ist das Thema Resilienz, denn dieses betrifft unsere Geschäftskunden, etwa ein Krankenhaus oder eine Altenpflegeeinrichtung, unmittelbar. Insbesondere Krankenhäuser spielen bei einem “Notfallplan Deutschland” eine zentrale Rolle und sich darauf einzustellen, das ist eine große Herausforderung.  

Viele Investoren und Anleger schauen nüchtern, rein renditeorientiert, auf das Thema. Zwischen der nüchternen und renditeorientierten Finanzwelt und sozialethischer Verantwortung liegen naturgemäß Welten. Wie versuchen Sie, einen Ausgleich in dieses Spannungsfeld zu bekommen?

Also, wir sagen: Ja, Ethik und Rendite gehen zusammen. Wenn wir auf unsere Anlageprodukte blicken, dann stellen wir schon fest, dass man durchaus verantwortungsvoll investieren kann und das nicht zwingend zulasten von Rendite gehen muss. Wir als Bank müssen Geld verdienen. Wir sind keine altruistische Wohlfahrtsorganisation, aber wir sind eine Bank, die einen ethischen Wertekompass hat. Und wir sagen immer, dass das Thema “Rendite und Ethik” zusammenpassen muss. Also diejenigen, die bei uns investiert sind, bekommen sicherlich heute eine überdurchschnittliche Rendite. Und diejenigen, die bei uns Geld anlegen wollen, entscheiden ja selbst, in welche Anlageklassen sie investieren. Wir bieten ihnen Geldanlagen an, die nachhaltig sind, die einen sozialen Impact haben und die neben einer Rendite, also einer pekuniären Rendite, auch eine soziale Rendite versprechen. Das ist wichtig, dass man das zusammendenkt. Soziale Rendite und ökonomische Rendite gehören zusammen. Ich will Ihnen da ein Beispiel zu nennen: Wir betreiben seit mehr als 15 Jahren Mikrofinanzierung in über 40 Ländern dieser Erde und haben bisher rund eine Milliarde Euro investiert. Wir haben in all diesen Jahren nie für unsere Anlegerinnen und Anleger eine negative Rendite erwirtschaftet, sondern immer eine positive. Und wir haben bewirkt, dass Menschen an Finanzdienstleistungen teilhaben, die das bisher nicht konnten und damit ihr Ein- und Auskommen letztlich sichern können. Das ist, wenn Sie so wollen, Entwicklungshilfe. Aber mit dem Anspruch, damit auch Geld zu verdienen.  

Es gibt derzeit wieder mehr Menschen, die nach einem sinnhaften Investment oder allgemein nach Sinnhaftigkeit suchen. Sehen Sie, dass Sie mit dieser einzigartigen Positionierung aktuell mehr Nachfrage erzielen? 

Ja. Es gibt viele Menschen, die nach sinnhaften Geldanlagen suchen, und die bieten wir an. Trotzdem kann man sich nicht von einer geopolitischen Situation entkoppeln, in der Nachhaltigkeit mehr oder weniger als überflüssig angesehen wird. Da halten wir gegen, denn die Bewahrung der Schöpfung ist unser christlicher Auftrag. Und das setzt nun mal voraus, dass wir den Planeten einer zukünftigen Generation übergeben, die auf diesem noch leben kann. Es gibt einen menschengemachten Klimawandel und all das, was wir tun, zielt darauf, CO2 zu reduzieren. Ich halte das für absolut notwendig, dass man – auch als kleine Essener Bank – sich für Nachhaltigkeitsziele einsetzt, egal was man im Weißen Haus aktuell dazu auch sagt. Die Episode, die wir jetzt gerade erleben, wird hoffentlich bald vorübergehen.  

Mit ihrer FAIR BANKING STIFTUNG unterstützen Sie insbesondere Bildungsprojekte, auch im Ruhrgebiet. Warum ist Bildung als Förderschwerpunkt wichtig und warum engagieren Sie sich vornehmlich im Ruhrgebiet?

Wir sind insbesondere im Bildungsbereich karitativ tätig, weil wir glauben, dass Bildung die wichtigste Ressource ist, die diese Volkswirtschaft hat, und weil wir es für wichtig halten, dass ein Unternehmen nicht nur Gewinn erwirtschaftet, sondern auch Verantwortung für die Gesellschaft übernimmt. Obwohl wir deutschlandweit und darüber hinaus tätig sind, haben wir unseren Sitz im Herzen des Ruhrgebiets. Neben Bildungsprojekten unterstützen wir beispielsweise auch eine Suppenküche und eine Notschlafstelle für Jugendliche. Das ist mir persönlich eine Herzensangelegenheit. So kommen wir unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung über unsere Stiftung in besonderer Weise nach. 

Und damit passen Sie ganz prima zu uns im Initiativkreis Ruhr. Wirtschaft, Bildung und Kultur sind ja unsere drei Schwerpunkte. Von daher freue ich mich wirklich, dass Sie dabei sind. Und ich freue mich, dass wir die Vollversammlung dieses Mal bei Ihnen im Hause machen können. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

Bank im Bistum Essen

Dr. Peter Güllmann , Sprecher des Vorstands

Wir engagieren uns im Initiativkreis Ruhr, weil uns die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung des Ruhrgebietes besonders am Herzen liegt.