Pradeep Pinakatt ist seit Beginn dieses Jahres persönliches Mitglied im Initiativkreis Ruhr. Gemeinsam mit Lars Redeligx führt der gebürtige Bochumer seit 2023 die Geschäfte der Flughafen Düsseldorf GmbH und ist für Finanzen und Personal zuständig. Warum der Flughafen unverzichtbar für die Rhein-Ruhr-Region ist und was der Mannschaftssport im Ruhrgebiet mit dem Airport und seiner Person zu tun hat, hat uns der 46-Jährige im Interview verraten.
Sie sind mit dem Flughafen Düsseldorf neues Mitglied im Initiativkreis Ruhr. Welche Rolle spielt der Airport aus Ihrer Sicht für die wirtschaftliche Stärke von Rhein und Ruhr?
Für die Wirtschaft an Rhein und Ruhr ist der Flughafen Düsseldorf weit mehr als ein internationaler Verkehrsstandort. Er verbindet die Region mit den Märkten der Welt und ist damit ein wesentlicher Standortfaktor. Im Umkreis von 100 Kilometern leben 18,5 Millionen Menschen – das größte Einzugsgebiet eines Flughafens in Kontinentaleuropa. Diese Lage im Herzen Europas ist eine besondere Stärke, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Denn eine leistungsfähige Wirtschaft braucht verlässliche Mobilität und internationale Verbindungen. Zwar befinden wir uns als Konzern immer noch in der Erholungsphase nach der Corona-Pandemie, aber die Zeichen stehen gut. Unser Langstrecken-Angebot wird wieder größer, zum Beispiel fliegt die Airline Corendon ab Dezember Curaçao an. Gleichzeitig eröffnen neue Flugzeugtypen wie der A321XLR zusätzliche Chancen für unseren Standort. Der A321 XLR ist ein Game Changer für Flughäfen wie Düsseldorf, da er Airlines Direktverbindungen in die USA oder nach Asien und Afrika mit einem geringeren wirtschaftlichen Risiko ermöglicht als herkömmliche Großraumflugzeuge. Im aktuellen Sommer-Flugplan sind ab Düsseldorf 160 Ziele in der Welt direkt erreichbar. Vor allem das touristische Segment hat sich nach der Pandemie kräftig erholt. Das Niveau von vor 2020 ist zwar noch nicht erreicht, doch die Entwicklung stimmt zuversichtlich.
Der Luftverkehr in Deutschland steht unter hohem Kostendruck. Was bedeutet das für einen Airport, der internationale Konnektivität für eine ganze Region sichern will?
Wie fast alle Flughäfen haben wir durch die Pandemie hohe Nachfragerückgänge und Umsatzausfälle erlitten. Diese Zeit wirkt noch nach, aber wir sind auf einem guten Weg zurück zu alter wirtschaftlicher Stärke. Wir konnten im vergangenen Jahr über 21 Millionen Passagiere begrüßen, das sind rund 83 Prozent des Niveaus von vor 2020. Wir haben in den letzten drei Jahren in Folge unseren Umsatz deutlich gesteigert und 2025 einen Jahresüberschuss von 20 Millionen Euro erzielt. Wir investieren momentan mit rund 100 Millionen Euro auf Rekordniveau und bis zum Jahresende soll das Corona-Darlehen vollständig getilgt sein. Wir entwickeln unseren Flughafen konsequent weiter und planen, in den kommenden 20 Jahren rund eine Milliarde Euro in Qualität, Infrastruktur und Nachhaltigkeit zu investieren. Damit diese Investitionen ihre volle Wirkung entfalten können, braucht Deutschland allerdings dauerhaft wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen im Luftverkehr. Das bleibt eine große Aufgabe, allein angesichts der vielen globalen Krisen und der Rezession in Deutschland. Wir begrüßen daher, dass die Bundesregierung die letzte Erhöhung der Luftverkehrssteuer zurückgenommen und eine Luftfahrtstrategie aufgesetzt hat, aus der die Bedeutung der Luftfahrt für das Land hervorgeht. Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sind jedoch weitere Schritte erforderlich. Es braucht weitere Entlastungen – bei Steuern und Gebühren sowie durch Bürokratieabbau. Darauf warten wir jedoch nicht. Wir werden selbst aktiv, gestalten unsere Zukunft und treiben die Transformation unserer Branche gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft voran.
Was muss ein Flughafen heute leisten, damit er für Wirtschaft, Reisende und Region dauerhaft attraktiv bleibt?
Als Lars Redeligx und ich 2023 die Geschäftsführung übernommen haben, haben wir gemeinsam mit dem gesamten Team DUS ein neues Unternehmensleitbild erarbeitet – an der Spitze steht unsere Vision „Destination of Excellence“. Wir wollen unsere Passagiere mit einem weltweiten Netzwerk, attraktiven Angeboten und Top-Qualität überzeugen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, Mobilität, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in Einklang zu bringen. Unsere Strategie beruht auf drei Säulen: Die erste lautet „Exzellenter Flughafen“. In der Kategorie der Airports mit bis zu 30 Millionen Passagieren im Jahr wollen wir zu den besten Flughäfen in Europa gehören. Dabei geht es vor allem um stabile, verlässliche und zunehmend digitale Passagierprozesse. Dazu zählen ein schneller Check-In, automatische Bording Gates, ein verbessertes Warteschlangen-Management und kurze Gepäcklaufzeiten, alles Hand in Hand mit unseren Partnern hier vor Ort. Gleichzeitig investieren wir in die Aufenthaltsqualität: mit neuen angesagten Marken im Terminal, einer vielfältigen Erlebnisgastronomie und unserer neuen DUS Rhein Lounge samt Terrasse und Blick aufs Vorfeld.
Die zweite Säule lautet „Vorbildlich nachhaltig“. Wir haben seit 2010 bereits rund 80 Prozent unseres CO2-Ausstoßes verringert. Diesen Weg setzen wir konsequent fort und übernehmen Verantwortung für eine klimafreundliche Zukunft unseres Standorts. Zum Beispiel mit unserer kürzlich in Betrieb genommenen PV-Anlage, der größten ihrer Art direkt an der Start- und Landebahn eines deutschen Airports. Mit der erzeugten Energie könnte man 4200 Haushalte ein Jahr lang versorgen. Bis 2028 entsteht ein neues Tanklager, das über einen Gleisanschluss verfügt. Damit schaffen wir Infrastruktur für die Logistik nachhaltiger Kraftstoffe, stärken die Versorgungssicherheit und entlasten die Autobahnen. So können wir nachhaltige Flugkraftstoffe direkt über die Häfen in Rotterdam oder Duisburg über die Schiene beziehen. Dadurch lassen sich jährlich rund 30.000 LKW-Fahrten vermeiden.
Die dritte strategische Säule heißt „Für Mitarbeiter und Region“. Ein Flughafen ist ein ganz besonderer Mikrokosmos. Anders als in vielen Unternehmen arbeitet der überwiegende Teil unserer Belegschaft an einem gemeinsamen Ort. Viele Kolleginnen und Kollegen kennen sich seit Jahren und tragen täglich gemeinsam dazu bei, dass Millionen Menschen sicher und möglichst unbeschwert reisen können. Dieses Miteinander wollen wir weiter stärken. Deshalb investieren wir in moderne Arbeitsplätze und eine wertschätzende Unternehmenskultur, um den Teamgeist weiter zu stärken und neue Talente für uns zu begeistern. Am Standort Flughafen arbeiten rund 20.000 Menschen. Wir sind eine der größten Arbeitsstätten in der Rhein-Ruhr-Region. Zugleich ist die internationale Anbindung ein wichtiger Faktor für Unternehmen, die sich im Umfeld ansiedeln oder von hier aus weiter wachsen wollen.
Mit Investitionen in innovative Technologien, Nachhaltigkeit und moderne Arbeitsplätze entwickeln wir den Flughafen konsequent weiter und stärken gleichzeitig unsere finanzielle Basis. So gestalten wir die Zukunft des Luftverkehrs mit und leisten einen konkreten Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität unserer Region.
Was schätzen Sie am Initiativkreis Ruhr und wie möchten Sie sich engagieren?
Am Initiativkreis Ruhr schätze ich besonders, dass er über ein klassisches Unternehmensnetzwerk hinausgeht. Hier kommen Wirtschaft, Wissenschaft, Kirchen und weitere gesellschaftliche Akteure zusammen. Diese Vielfalt schafft die Möglichkeit, zentrale Zukunftsfragen der Region aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und gemeinsam voranzubringen. Ich finde es spannend, mich als persönliches Mitglied hier einzubringen. Als Flughafen und internationales Tor in die Region sehen wir unseren Beitrag vor allem darin, die Infrastruktur, die Erreichbarkeit und damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Metropole Rhein-Ruhr zu stärken.
Ebenso wichtig ist für mich der Austausch mit den anderen Mitgliedern und die Frage, wie wir unsere jeweiligen Kompetenzen sinnvoll miteinander verbinden können. Ein Thema, dass über alle Branchen und Institutionen hinweg Aufmerksamkeit erfordert, ist zum Beispiel das Thema Resilienz. Das findet auch im Initiativkreis Ruhr eine Plattform, zuletzt bei der Vollversammlung im März, als wir uns als Flughafen als neues Mitglied vorstellen durften. Ich freue mich auf die kommende Zeit, auf spannende Veranstaltungen und den weiteren Austausch.
Sie sind in Bochum geboren und in Herne aufgewachsen. Was macht das Ruhrgebiet für Sie aus, was macht es besonders?
In Bochum geboren, in Herne aufgewachsen, seit 15 Jahren in Essen: Das Ruhrgebiet ist meine Heimat. Hier gibt es einen besonderen Menschenschlag: bodenständig, ehrlich, direkt, und immer bereit, mit anzupacken. Gleichzeitig ist das Ruhrgebiet sehr international, mit Menschen aus vielen Kulturen. Hinzu kommen eine hohe Dichte an Hochschulen, eine starke industrielle Basis und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Und natürlich gehört der Fußball untrennbar zum Ruhrgebiet. Mein Herz schlägt für den VFL Bochum und natürlich drücke ich auch Fortuna Düsseldorf die Daumen – mit der Fortuna verbindet uns eine sehr gute und enge Beziehung. Aus dem Mannschaftssport lässt sich ohnehin viel für das Leben und auch für die Arbeitswelt lernen: Es braucht Teamgeist, klare Rollen, ein gutes Zusammenspiel und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Zu guter Letzt: Wo sehen Sie das Ruhrgebiet in 10 Jahren, in Blick auf den Luftverkehr und die Infrastruktur allgemein?
Grundsätzlich blicke ich optimistisch auf die kommenden zehn Jahre. Ich denke, wir werden uns noch stärker als europäischer Wirtschafts- und Innovationsstandort positioniert haben, mit einer intelligenten Verzahnung von Luftverkehr, Straße und Schiene und allgemein mit einer verlässlichen Infrastruktur und guten internationalen Anbindungen. Das Thema Nachhaltigkeit wird uns weiter und mehr als je zuvor begleiten und ich denke, in zehn Jahren werden wir auch in dieser Hinsicht viel Gutes geschafft haben.





