“Wir können uns glücklich schätzen, viele unterschiedliche Medien zu haben“: Andrea Wasmuth mit Initiativkreis Ruhr-Moderator Guido Kerkhoff

Andrea Wasmuth (Geschäftsführerin, Handelsblatt Media Group)

Soziale Medien sind schneller als jede Druckerpresse und jeder Faktencheck – doch genau hier sieht Andrea Wasmuth, CEO der Dieter von Holtzbrinck Medien und der Handelsblatt Media Group, und Persönliches Mitglied im Initiativkreis Ruhr, die Chancen des klassischen Journalismus. Im persönlichen Gespräch mit Initiativkreis-Moderator Guido Kerkhoff gibt sie spannende Einblicke in die Arbeit eines modernen Medienhauses.

Kerkhoff: Frau Wasmuth, Sie sind seit fünf Jahren Geschäftsführerin der Handelsblatt Media Group und seit Anfang dieses Jahres Leiterin der Holtzbrinck Verlagsholding. Sie haben hautnah mitbekommen, wie sich die Desinformationskultur durch Corona und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine potenziert hat. Was stellen Sie im Verlag und auch den Redaktionen dem entgegen, wie gehen Sie damit um? Welche Strategie fahren sie hier?

Wasmuth: In Medienunternehmen ist es selbstverständlich, Fakten und Quellen zu überprüfen. Das ist Kern der journalistischen Arbeit. Aber genau das den Menschen zu erklären, darin müssen wir noch besser werden. Viele überprüfen die Inhalte nicht, die ihnen aufs Smartphone gespült werden. Sie wissen nicht, was einen journalistischen Inhalt von einem nicht-journalistischen unterscheidet. Es gibt darüber hinaus Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Formaten – nicht jeder Podcast ist beispielsweise ein journalistisches Format – und ich denke, da müssen Medienhäuser eine aktivere Rolle einnehmen. Wir gehen beispielsweise in die Schulen und informieren darüber, wie das Grundgerüst journalistischer Arbeit funktioniert, wie Recherchen und Faktenchecks ablaufen und auch, wie Jugendliche KI-generierte Fotos erkennen.

Kerkhoff: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Schnelligkeit beziehungsweise die Schnelllebigkeit von News? Eine Schlagzeile jagt die nächste, Menschen nehmen sich immer weniger Zeit und die Aufmerksamkeitsspanne sinkt. Können Sie mit Blick auf das schwindende Vertrauen in die Medien und demokratische Prozesse im Allgemeinen einen Beitrag dazu leisten, dieses Vertrauen wieder zu stärken? Ist das ein Thema in den Redaktionen?

Wasmuth: Ja, das ist es. Wir können uns glücklich schätzen, in einem Land zu leben, in dem es eine große Vielfalt an Medien gibt. Das ist eine echte Errungenschaft demokratischer Gesellschaften. Unterschiedliche Medien und unterschiedliche Blickweisen tragen dazu bei, dass sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. Daher finde ich es sehr bedenklich, wenn Menschen nichts mehr hinterfragen und Dinge ungeprüft glauben und teilen, vielleicht auch, um der oder die Schnellste zu sein. Dem müssen wir etwas entgegensetzen. Nur eine App oder eine Website zu haben, reicht nicht mehr. Wir müssen da sein, wo die Menschen sind: auf TikTok, auf Instagram, bei LinkedIn und allen anderen relevanten Kanälen, und die Nutzerinnen und Nutzer darüber zu uns führen. Das ist die Herausforderung heute.

Kerkhoff: Sie sind Persönliches Mitglied im Initiativkreis Ruhr und Gastgeberin unserer Vollversammlung im November. Warum engagieren Sie sich in unserem Netzwerk?

Wasmuth: Die Veränderungen derzeit sind immens in jeder Hinsicht, das kann niemand allein schaffen. Daher halte ich es für absolut unterstützenswert, Dinge in der Gemeinschaft zu bewegen, wie es der Initiativkreis Ruhr vormacht. Wir sind als Arbeitgeber in der Region mit dafür

Seit August 2020 ist Andrea Wasmuth die Geschäftsführerin der Handelsblatt Media Group. Seit 2021 ist sie Mitglied in unserem Wirtschaftsbündnis.

verantwortlich, dass das gelingt. Deswegen bin ich auch mit ganzem Herzen Teil dieses außergewöhnlichen Netzwerks und freue mich besonders, die Unternehmen und Mitglieder als Gastgeberin bei der Vollversammlung hier in unserem Haus be

grüßen zu dürfen.

Kerkhoff: Das STRIVE Magazin hat sie kürzlich zu einer der 100 einflussreichsten Frauen in Deutschland gewählt. Herzlichen Glückwunsch dazu! Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Wasmuth: Das ist tatsächlich eine Ehre und eine Freude, in einer Liste mit so vielen, großartigen Frauen genannt zu werden, die hier in Deutschland viel bewegen. Aber im Alltag denke ich darüber nicht nach, da denke ich eher daran, was ich in meiner beruflichen Rolle bewegen kann, wie viel Freude ich an meiner Aufgabe habe. Dazu kommen in meinem Umfeld viele kluge Menschen mit neuen und spannenden Ideen. Wenn ich das alles betrachte, kann ich mit Fug und Recht behaupten: Ich habe einen wundervollen Job.

 

Kerkhoff: Eine letzte Frage zu Ihnen persönlich: Wie ist Ihre Beziehung zum Ruhrgebiet?

Wasmuth: Sie ist gewachsen durch die Handelsblatt Media Group. Ich bin ein Nordlicht und komme aus Wildeshausen, einer kleinen Stadt in der Nähe von Bremen. Aber da die Handelsblatt Media Group seit Gründung hier zwischen Rhein und Ruhr verankert ist, haben wir mit dem Ruhrgebiet einen ständigen Austausch und ich schätze die Region sehr. Viele Kolleginnen und Kollegen bei uns kommen aus dem Ruhrgebiet. Was mir auffällt, sind die Stimmung und auch die Freundlichkeit und der Humor der Menschen, das gefällt mir sehr.

Foto- und Video: Alte Waschfabrik

 

Andrea Wasmuth

Handelsblatt Media Group

Andrea Wasmuth , Geschäftsführerin

Die aktuellen Veränderungen sind enorm und nur gemeinsam zu bewältigen. Der Initiativkreis Ruhr zeigt, wie viel man in der Gemeinschaft bewegen kann – als regionaler Arbeitgeber trage ich Verantwortung, dazu beizutragen. Deshalb engagiere ich mich mit voller Überzeugung in diesem starken Netzwerk.