Politikbrief – Junge Erstwählende im Ruhrgebiet

Sep. 1, 2025 | Politik

Bild mit KI erstellt

September 2025 | Ausgabe 1

Hier herunterladen

Einblick in das politische Selbstverständnis junger Menschen zur Kommunalwahl 2025

Die Kommunalwahl in NRW findet am 14. September statt. Eine neue Generation von Wählerinnen und Wählern steht im Ruhrgebiet zum ersten Mal vor einer politischen Wahl. Viele von ihnen fühlen sich oftmals weder angesprochen noch wirklich gehört. Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Initiativkreises Ruhr gibt einen differenzierten Einblick in das politische Selbstverständnis und die Erwartungen junger Menschen zwischen 16 und 24 Jahren in der Region. Das Ergebnis ist ein ambivalentes Stimmungsbild: Zwischen Misstrauen, politischer Überforderung und fehlender Repräsentation auf der einen sowie guter Berufsaussichten und regionaler Verbundenheit auf der anderen Seite.

 

Vertrauen und Beteiligung fördern

Das Vertrauen junger Menschen in die Politik ist gering. Nur 23 % der Befragten gaben an, den politischen Institutionen stark zu vertrauen. Besonders in sozial benachteiligten Gruppen ist das Gefühl politischer Wirksamkeit schwach ausgeprägt – 27 % der Jugendlichen aus weniger privilegierten Schichten fühlen sich nie berücksichtigt.

Nach Ansicht eines Großteils der Befragten könnten mehr junge Vorbilder in Politik und Gesellschaft dazu beitragen, junge Menschen zu mehr Engagement zu motivieren.

Auffällig ist auch die Unwissenheit über grundlegende demokratische Rechte: Nur 49 % wissen, dass sie ab 16 Jahren kommunal wählen dürfen. Gerade in einer Zeit, in der politische Bildung in den Schulen unter Druck steht, braucht es neue, niedrigschwellige Informations- und Mitmachformate.

 

Politische Bildung stärken

Fast jede zweite befragte Person informiert sich über soziale Medien – Fernsehen und Online-Medien folgen mit deutlichem Abstand. Klassische politische Kommunikation läuft damit häufig ins Leere. Gleichzeitig geben 85 % an, sich vom politischen Diskurs mindestens gelegentlich überfordert zu fühlen.

Aber auch die Inhalte müssen überdacht werden. Die Studienergebnisse zeigen, dass viele Jugendliche zwar interessiert sind, aber nicht das Gefühl haben, dass die politischen Inhalte sie derzeit ansprechen. Angst (45 %), Misstrauen (43 %) und Frust (39 %) dominieren die politische Gefühlslage der jungen Menschen im Ruhrgebiet über alle Bildungsschichten hinweg.

Auf diese Zahlen lässt sich aufbauen: Hoffnung und Neugier sind mit je 21 % in der Oberschicht und 35 % bzw. 24 % bei Personen mit Einwanderungsgeschichte vertreten.

Die Themen, die junge Menschen bewegen, sind in der Studie eindeutig: Sicherheit, soziale Gerechtigkeit und Bildung. Weit dahinter rangieren im Jahr 2025 hingegen Digitalisierung oder Klimaschutz.

 

Das Ruhrgebiet hat Chancen

Trotz vieler kritischer Einschätzungen zur Region sehen 63 % der jungen Menschen ihr Leben langfristig im Ruhrgebiet. Besonders hoch ist dieser Wert unter Jugendlichen mit eigener Migrationserfahrung und aus einkommensstarken Haushalten (rund 70 %). 56 % der jungen Menschen fühlen sich zudem gut auf das Berufsleben vorbereitet.

Und auch beim Thema Wahlbeteiligung gibt es Grund zu Hoffnung: Bereits 77 % der Befragten haben mindestens einmal an einer Wahl teilgenommen. Zudem sagen 82 %, dass ihnen die Teilnahme an politischen Wahlen wichtig ist – unabhängig von Herkunft, Bildungsstand oder sozialer Schicht. Das ist ein starkes demokratisches Fundament, auf dem aufgebaut werden kann.

 

Was es braucht:

  1. Beteiligung neu denken: Politische Mitgestaltung darf nicht bei Jugendräten enden. Beteiligung muss sichtbar wirksam, niedrigschwellig und alltagsnah sein.
  2. Junge Vorbilder sichtbar machen: Viele Jugendliche wünschen sich Identifikationsfiguren in Politik und Gesellschaft. Wer junge Menschen motivieren will, braucht Repräsentation auf Augenhöhe.
  3. Politische Bildung stärken: Die Unkenntnis über Wahlalter und Mitwirkungsmöglichkeiten ist alarmierend. Politik und Zivilgesellschaft sind gefordert, neue Wege der politischen Bildung zu beschreiten.

 

Die komplette Studie finden Sie hier.