Politikbrief – Female Entrepreneurship im Ruhrgebiet

November 2025 | Ausgabe 2
Female Entrepreneurship im Ruhrgebiet
Die Schieflage
Gründerinnen im Ruhrgebiet sind vor allem in zukunftsweisenden Branchen aktiv wie Medizin, eCommerce, Software, Industrie & Energie. Sie denken nachhaltiger, planen langfristiger und legen Wert auf gesellschaftliche Wirkung. Viele wollen ihr Unternehmen dauerhaft selbst führen, statt auf einen schnellen Exit zu setzen (59 Prozent).
Gleichzeitig offenbart die Datenaus-wertung eine strukturelle Schieflage:
- Schon in der Phase der Gründungs-interessierten an Hochschulen sinkt der Frauenanteil rapide: Jede fünfte Gründung geht in Deutschland auf Frauen zurück. 91 Prozent des Venture-Capital-Volumens geht an männlich geführte Teams.
- Bei Business-Angel-Investments werden Frauen 2,5x seltener berücksichtigt als Männer – nur 17 Prozent werden unterstützt.
- Nur 4 Prozent der Gründerinnen erhalten Venture Capital, obwohl fast jede Fünfte aktiv danach sucht.
Diese Lücke ist kein individuelles Problem, sondern sie ist systemisch. Kapitalvergabe, Förderstrukturen und Netzwerke folgen oft tradierten Mustern. Das bedeutet: gleiche Leistung, geringere Chancen. Dabei belegen alle Studien, dass diverse Teams erfolgreicher, innovativer und krisenfester sind.
Der Anteil weiblicher Gründungen im Ruhrgebiet liegt bei nur 14 Prozent* (2025: 92 der 597 NRW-weiten Gründungen). In einer Region, die sich als Zukunftslabor versteht, ist das noch deutlich zu wenig.
*: Der Anteil basiert auf dem Durchschnitt der Jahres-werte von 2023 bis 2025.
Die Gründe
Gründerinnen sind meist durch ein höheres Sicherheitsbedürfnis geprägt, was dazu führt, dass sie den Entschluss zur Gründung später im Berufsleben fassen. Eine Wahrnehmungslücke im Ökosystem verstärkt diesen Effekt: Während die große Mehrheit der Gründerinnen den Gender Gap als Problem sieht, erkennt nur ein Bruchteil der männlichen Gründer ihn als Missstand an. Diese Lücke ist Ausdruck eines tief sitzenden, impliziten Bias, der strukturelle Benachteiligungen aufrechterhält.
Warum es Female Entrepreneurship braucht
Frauen-Gründungen sind ein entscheidender Motor für Wachstum. Alle Studien zeigen:
- Mehr Gründerinnen bedeuten mehr Startups. Jede zusätzliche Frau in der Geschäftsführung schafft neue Unternehmen.
- Diversität macht das Startup-Ökosystem widerstandsfähiger und kreativer.
- Gleichstellung ist Standortpolitik. Ein höherer Gründerinnenanteil fördert Chancengleichheit und macht NRW wettbewerbsfähiger.
Das Ruhrgebiet als Modellregion
In Städten wie Dortmund, Essen und Bochum finden zusammen knapp 60 Prozent aller weiblichen Gründungen in NRW statt. Hier entstehen also bereits Cluster, die neue Gründungsrealitäten formen: Hochschulen, Innovationshubs und Netzwerke wie HERHOOD verknüpfen die Akteurinnen der Region.
Was es braucht:
Unternehmertum früh fördern
- Land sollte Kompetenzen in Lehrpläne verankern.
- Weibliche Rolemodels sichtbarer machen.
- Gezielte Mentoring-Programme an Hochschulen etablieren.
Vereinbarkeit als Standortfaktor
- Flexible Ganztagsbetreuung flächendeckend ausbauen.
- Qualität von Kitas und OGS sichern.
- Land sollte Planbarkeit für Gründerfamilien gewährleisten.
Netzwerke und Kapitalzugang stärken
- Einführung von Gender-Kriterien bei der Vergabe von Landesfördermitteln
- Diversität in Fördergremien erhöhen.
Die vollständigen Studienergebnisse finden Sie HIER im HERHOOD Report.