Politikbrief – GRW-Neuabgrenzung ab 2028

Aug. 26, 2026 | Politik, Wirtschaft

August 2026 | Ausgabe 2

GRW-Neuabgrenzung ab 2028

Wirtschaftliche Stärke und hoher Transformationsdruck gehören zusammen: Das Ruhrgebiet ist eine der bedeutendsten Transformationsregionen Deutschlands. Die Region vereint starke Wissenschaft und Industrie, steht jedoch unter enormem Transformationsdruck. Arbeitslosigkeit, hohe Sozialausgaben und begrenzte kommunale Handlungsspielräume machen gezielte strukturpolitische Förderung unverzichtbar.

Die teils angespannte Lage begründet den besonderen Förderbedarf. In den Städten treffen mehrere Herausforderungen zusammen:

  • Energie- und emissionsintensive Branchen müssen ihre Produktion klimaneutral umbauen.
  • Stahl, Chemie, Energie, Hafenwirtschaft und Logistik stehen vor tiefgreifenden technologischen und internationalen Veränderungen.
  • Ehemalige Industrieflächen müssen aufbereitet und für neue Wertschöpfung nutzbar gemacht werden.
  • In mehreren Kernstädten bestehen verfestigte Arbeitsmarkt- und soziale Problemlagen fort.

Daher ist klar: Eine Region kann wirtschaftlich bedeutend und produktiv sein und zugleich besonders hohe Transformationserfordernisse aufweisen. Diese Gleichzeitigkeit ist kein Widerspruch.

 

Das Problem der neuen Indikatorik

Bund und Länder prüfen für die neue Fördergebietskulisse eine stärkere Berücksichtigung vorausschauender und sozioökonomischer Kriterien. Ein präventiver Ansatz ist richtig: Regionalpolitik sollte nicht erst reagieren, wenn ein Strukturbruch eingetreten ist. Problematisch wird es jedoch, wenn Indikatoren wie Ärztedichte, Kanalanschlüsse oder Solardächer wirtschaftliche Kernindikatoren verdrängen. Solche Größen können Hinweise auf Daseinsvorsorge, Infrastruktur oder regionale Entwicklungsperspektiven geben. Sie beantworten aber nicht die ursprünglichen Leitfragen der GRW:

Wo sind Arbeitsplätze besonders gefährdet? Wo besteht ein hoher Investitionsbedarf, um Unternehmen und Beschäftigung in der Region zu halten? Und wo haben sich Arbeitsmarkt-probleme über Jahre verfestigt?

Wenn infrastrukturelle oder allgemeine Lebensqualitätsindikatoren übergewichtet werden, kann ein verzerrtes Bild entstehen: Städte des Ruhrgebiets schneiden bei Kanalanschlüssen oder der ärztlichen Versorgung vergleichsweise gut ab – obwohl sie gleichzeitig hohe Arbeitslosigkeit, komplexe Industrieumbauten und große Flächen- und Investitionsbedarfe bewältigen müssen.

Die Neuabgrenzung der Fördergebiete darf im Ergebnis nicht dazu führen, dass das Ruhrgebiet seine Förderfähigkeit verliert, obwohl die Region gleichzeitig anhaltende Arbeitsmarktprobleme bewältigen und zentrale Teile der deutschen Industrie klimaneutral umbauen muss. Eine zukunftsfähige GRW sollte deshalb wirtschaftliche Kernindikatoren mit einer einfachen und transparenten Bewertung des Transformations-drucks sowie der Beteiligung betroffener Kommunen verbinden.

Wir begrüßen die Haltung der Landesregierung, in dieser Frage ebenfalls ein einfaches und zielgenaues System anzustreben.

 

Was es braucht:

– Förderfähigkeit des Ruhrgebiets sichern: Die industriellen Kernstädte des Ruhrgebiets müssen weiterhin in der GRW-Fördergebietskulisse berücksichtigt werden.

– Wirtschaftliche Kernindikatoren verbindlich verankern: Arbeitsmarkt, Produktivität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, industrielle Wertschöpfung und Investitionsfähigkeit müssen das Fundament der Abgrenzung bleiben.

– Transformationsstress berücksichtigen: Die GRW muss den besonderen Anpassungsdruck energie- und emissionsintensiver Industrieregionen ausdrücklich erfassen.

– Transparenz der Entscheidung: Auswahl und Gewichtung der Indikatoren entscheiden über den Zugang von Städten und Unternehmen. Deshalb müssen  Neuregelungen transparent gemacht werden. Betroffene Kommunen und ihre Spitzenverbände müssen verbindlich beteiligt werden.