„Wir müssen unsere Demokratie schützen!“ Interview mit Guido Kerkhoff zur Kommunalwahl 2025

Sep. 4, 2025 | Politik, Pressemitteilung

Unser Moderator Guido Kerkhoff teilt seine Einschätzung zur anstehenden Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen – und warnt vor extremistischen Parteien. Fotocredit: Markus Feger.

Kurz vor der Kommunalwahl richtet Guido Kerkhoff, Moderator des Initiativkreises Ruhr und CEO von Klöckner & Co, einen eindringlichen Appell an die Wählerinnen und Wähler: Demokratie brauche aktive Verteidiger – gerade in einer Region, die seit jeher für Vielfalt und Zusammenhalt steht. Im Interview warnt Kerkhoff vor den Gefahren von rechts, ruft zur Wahlbeteiligung auf und macht deutlich, dass es sich am 14. September keineswegs „nur“ um eine Kommunalwahl handelt, sondern um eine richtungsweisende Entscheidung für die Zukunft unserer Region.

Das Ruhrgebiet galt lange als Bollwerk gegen Rechts und ist zugleich seit Jahrzehnten Einwanderungsregion, in der Vielfalt zum Alltag gehört. Stehen wir vor einer besonderen Wahl am 14. September?

Es gilt mehr denn je unsere Demokratie zu verteidigen. Wir befinden uns ja gerade in einer Zeit multipler und globaler Krisen, die bis in unsere Städte und Gemeinden hineinwirken. Dazu kommen die Daueraufgaben in unserer Region: das soziale Nord-Süd-Gefälle, Fragen von Infrastruktur und Mobilität, Bildung, Fachkräftemangel, wirtschaftliche Herausforderungen. All das zeigt: Diese Wahl ist tatsächlich besonders wichtig. Das Ruhrgebiet ist Einwanderungsregion und das ist unsere Stärke. Hier haben schon immer unterschiedliche Nationen zusammengelebt und zusammen malocht. Das ist für uns normal und Teil unseres Erfolgs. Sorgen wir dafür, dass das auch so bleibt.

Meinungsumfragen deuten darauf hin, dass die AfD auch in NRW stärker Fuß fassen könnte. Wie sehen Sie diese Ergebnisse?

Zunächst warne ich davor zu glauben, dass dies ja „nur“ die Kommunalwahl sei. Wir entscheiden am 14. September darüber, was vor unserer Haustür geschieht, und das hat ganz unmittelbare Auswirkungen und am Ende auch auf Entscheidungen im Land und Bund. Und ich habe es eben schon gesagt: Wir müssen unsere Demokratie schützen. Dazu gehört für mich nicht nur, dass man wählen geht, sondern auch, dass man sich vorab informiert – damit das Kreuz nicht an der falschen Stelle landet.
Und was „falsch“ bedeutet, möchte ich klar benennen: Der Verfassungsschutz hat die AfD im Mai dieses Jahres aufgrund der die Menschenwürde missachtenden, extremistischen Prägung der Gesamtpartei als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die AfD klagt zwar dagegen, aber für mich ist klar: Wer in einer freien, demokratischen und pluralen Gesellschaft leben will, sollte dort sein Kreuz nicht setzen.

Die Studie des Jungen Initiativkreis Ruhr zeigt: Junge Menschen im Ruhrgebiet sind interessiert, wollen wählen, fühlen sich aber oft nicht ernst genommen und haben wenig Vertrauen in die Politik. Warum müssen wir junge Wählerinnen und Wähler mehr in den Blick nehmen?

Ganz einfach: Weil sie die Zukunft sind. Und die Zukunft ist eine ernstzunehmende Angelegenheit. Viel zu oft werden Kinder und Jugendliche in unserer alternden Gesellschaft nicht mehr mitgedacht. In dem Buch „Kinder – Minderheit ohne Schutz“ unter anderem von Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani geht es darum, dass die heranwachsende Generation in unserer Gesellschaft mittlerweile einen Außenseiterstatus hat. Das ist höchst alarmierend. Wir sind dazu verpflichtet, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenden Vertrauen zu schenken und Vertrauen zu vermitteln.

Der Initiativkreis Ruhr hat auch in früheren Kampagnen immer wieder betont, dass das Ruhrgebiet für Vielfalt steht und rechtes Gedankengut hier keinen Platz hat. Welche Botschaft möchten Sie den Wählerinnen und Wählern mit Blick auf den 14. September mitgeben?

Ich bediene mich mal eines mich eines Spruchs, den ein großer Chemiekonzern aus Essen anlässlich der letzten Bundestagswahl als Appell nutzte: Gehen Sie zur Wahl und machen Sie alles, aber bitte nicht blau!